Kerstin und Stefan
Michel

Göhrshof 9
30539 Hannover
Tel.: 0511 / 45990147
Fax: 0511 / 45990148
Kontakt

 

ganzeArtikel
Home Klangmassage Ausbildung Klangschalen Shop Obertonmusik Infos

Klangtherapie in der Psychoonkologie

erschienen in:
Befund Krebs – Deutsches Magazin fĂŒr Tumorerkrankte 04/ 2004

Kerstin Michel (Dipl.-Psychologin)

 â€žDie Vibrationen der Instrumente konnte ich deutlich in meinem Körper spĂŒren, ich fĂŒhle mich bewegt und lebendig und habe einen neuen Zugang zu meinem Körper gefunden....“

„Die KlĂ€nge haben mich auf eine Reise in ferne LĂ€nder und in mein Inneres begleitet. Ich konnte tief Kraft schöpfen, mich wieder in einem GefĂŒhl von Ganzheit erfahren...“

„Ich fĂŒhlte mich durch die KlĂ€nge eingehĂŒllt und konnte mich in der Geborgenheit ausruhen, fallenlassen und meine GefĂŒhle da sein lassen....“.

„In letzter Zeit hatte ich oft das GefĂŒhl in einen Abgrund zu fallen, doch durch die wohltuenden KlĂ€nge durfte ich erleben, dass der Ab-Grund einen festen, stabilen Grund hat, der mich trĂ€gt!“

Einige RĂŒckmeldungen von Teilnehmern einer Klangtherapiegruppe

Die Idee, dass KlĂ€nge und Musik ein SchlĂŒssel zur Heilung von Körper, Seele und Geist sind, ist seit tausenden von Jahren auch der westlichen Kultur bekannt. Das Feld der im 20. Jhdt. benannten „Musiktherapie“ ist eines der Ă€ltesten und ganzheitlichsten der Medizin. Schon Pythagoras sang seinen SchĂŒlern beruhigende Melodien vor, basierend auf dem Wissen, dass Melodie und Rhythmus, welche kosmischen Gesetzen folgen, in der Lage sind, auch den Menschen in seiner Ganzheit zu harmonisieren. Musik wird zu Recht oft als die Sprache der GefĂŒhle benannt, doch hat sie zudem die FĂ€higkeit, durch alle Ebenen unseres menschlichen Seins, bis hin zu spirituellen Dimensionen, BrĂŒcken zu bilden.

Musiktherapie ist der gezielte Einsatz von Musik im Rahmen der therapeutischen Beziehung zur Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung seelischer, körperlicher und geistiger Gesundheit. Das Wort Therapie stammt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie helfen, heilen, lindern und begleiten. Das Feld der Musiktherapie ist weit - die hier vorgestellte Klangtherapie ist eine Form der  rezeptiven Musiktherapie. Bei dieser Form geht es nicht um das aktive Spielen, sondern um das Hören und SpĂŒren live gespielter Musik. Dabei kommen verschiedenste Weltmusik– oder Naturtoninstrumente (Gongs, Klangschalen, Rain Sticks, Ocean Drums, Klangspiele, Monochord, Sansula, etc.) zum Einsatz, die aufgrund eines alten Erfahrungswissens der Naturvölker, aber auch durch verschiedene neue musiktherapeutische Studien belegt, als heilsam, entspannend und unterstĂŒtzend erkannt wurden.

 

Ablauf der Klangtherapie

In einem ruhigen Raum finden sich in einem zeitlichen Rahmen von eineinhalb Stunden bis zu 12 Menschen zusammen. Jede/r bekommt eine bequeme Matratze oder Yogamatte, ein Kopfkissen und eine Decke.

Um der Neugierde der Menschen fĂŒr die oft noch nie zuvor gehörten Instrumente nachzukommen, werden die Instrumente vor der eigentlichen Sitzung vorgestellt und angespielt. Nachdem es sich die TeilnehmerInnen bequem gemacht haben, leitet die Klangtherapeutin verbal eine Reise durch den Körper zum Ankommen im gegenwĂ€rtigen Augenblick und bei sich selbst an. Danach beginnt die Therapeutin ohne verbale Begleitung mit dem Spielen der Instrumente. Dabei sind die KlĂ€nge bewußt ausgesucht, in dem Wissen um die Situation von vielen KrebspatientInnen. Denn viele kommen zu den Klangtherapiegruppen erschöpft und vom Alltagskampf ermĂŒdet. Sie sehnen sich nach Ruhe und Entspannung und möchten „einfach abschalten“, mal nicht fĂŒr andere sorgen, zu sich selber finden.

Manche erleben nach einer monatelangen Phase von Angst und Depression eine halbe Stunde, in denen sie so sein können, wie sie im  Moment sind, sich den KlĂ€ngen ĂŒberlassen können, sich getragen, geborgen und frei fĂŒhlen.

Die ausgewĂ€hlten Instrumente zeichnen sich durch einfache Melodien oder gleichmĂ€ĂŸige KlĂ€nge aus. Gerade die wiederholenden, monotonen KlĂ€nge, die wenig Anreiz bieten, fĂŒhren meist in eine tiefe Ruhe oder lösende Innenweltreisen. Die Töne ermöglichen es, gerade weil sie so schnell vertraut werden, sich ihnen zu ĂŒberlassen. Durch gezielte VerĂ€nderung der Klangstrukturen und Instrumente wird die Tiefe der Entspannung von der Klangtherapeutin beeinflußt. Die Ohren gewöhnen sich schnell an die Töne, erhalten die Botschaft, daß sie abschalten dĂŒrfen, nicht genau hinhören mĂŒssen und doch die Musik noch mitbekommen. Die Klangtherapeutin konzentriert sich auf ganz Elementares – Rhythmus, Melodie und Dynamik des Spiels sind untergeordnet.

 

Die Instrumente

Das Monochord zum Beispiel ist ein flacher, rechteckiger Holzkasten, ca. 150X25 cm, der auf der Ober- und Unterseite mit 25 Saiten bespannt ist, die auf ein und den gleichen tiefen, tragenden Ton gestimmt sind. Die Saiten des Monochords werden so angespielt, daß sie wie Wellen ineinanderfliessen - es entsteht ein wohlklingender Klangteppich. Über dem Grundton schwebt eine erstaunliche FĂŒlle von Obertönen. Sie werden als leise Glocken, Flöten, zarte Stimmen oder eine Art SphĂ€renmusik wahrgenommen und haben eine tief entspannende Wirkung. Durch den Obertonreichtum werden Alphawellen in unserem Gehirn erzeugt, die den Geist in einen tiefen Meditationszustand versetzen. Die monochromen KlĂ€nge des Monochords ermöglichen ein schnelles Eintauchen in das GefĂŒhl von Sicherheit und von Getragensein. Gerade diese GefĂŒhle können nach den verschiedenen Verletzungen, die KrebspatientInnen durchstehen mussten, oft eine große Entlastung bedeuten.

Mit dem Einsetzen des Bronzezeitlalters ca. 3500 v.Chr. entstanden die ersten klingenden Bronzeobjekte. Besonders in SĂŒdostasien entwickelten sich daraus Gongs in verschiedenen Legierungen, Formen und KlangqualitĂ€ten. Der Gong ist eine Persönlichkeit, der ein vielseitiges und ausdrucksstarkes Klangverhalten zeigt. Die Kraft und die Schwingungen des Gongs werden fĂŒr die TeilnehmerInnen spĂŒrbar, wenn das Insturment im Raum und ĂŒber dem Körper bewegt wird. Der Gong kann Blockierungen lösen, er liefert mit seiner Kraft Aktivierungsenergie, anstehende Wandlungsprozesse anzugehen.

Die Meerestrommel lĂ€dt ein, innere und körperliche Spannungen „wegspĂŒlen“ zu lassen, da der Klang - kleine MetallkĂŒgelchen werden auf dem Trommelfell bewegt - oft mit dem der Meeresbrandung verbunden wird.

Der „Regenmacher“ ist ein altes, traditionelles Musikinstrument, bestehend aus dem hohen Stamm eines großen Kaktus. Die Stacheln des Kaktus sind nach innen in den Stamm geschlagen. Im Inneren befinden sich kleine Steinchen, die dann den sanften Klang eines leichten Regens erzeugen. Der gleichmĂ€ĂŸigen Klang ermöglicht eine tiefe Entspannung. Weich schwingende Klangspiele, die an Kinderspieluhren erinnern, alte tibetische Klangschalen mit langanhaltenden Tönen, kleinere Gongs und einige andere Instrumente werden im Raum gespielt und bewegt. Sie laden ein, das Kraftfeld der KlĂ€nge in sich aufzunehmen.

Auf physiologischer Ebene beeinflussen diese KlÀnge den Herzschlag, den Atemrhythmus, den Blutdruck, die Gehirnwellen auf beruhigende Art und Weise und helfen SchmerzzustÀnde zu lindern.

 Der Klang der Stille

Nach ca. 45 Minuten beendet die Klangtherapeutin ihr Spiel. In der Stille wird einige Minuten nachgespĂŒrt, welche FĂŒlle gerade das Nachschwingen enthĂ€lt. Anschließend gibt es die Möglichkeit, das Erlebte zu malen und spĂ€ter in einem Erfahrungsaustausch zu integrieren. Hier ist die Gruppe eine Hilfe. In einer geschĂŒtzten AtmosphĂ€re haben tiefere GefĂŒhle und SpontanitĂ€t Raum und können im Miteinander aufgearbeitet werden. Den eigenen Ängsten und SehnsĂŒchten Entfaltungsmöglichkeiten geben und auch das Unaussprechliche zu fĂŒhlen, trĂ€gt zur inneren StabilitĂ€t bei. Die Klangtherapie kann sehr tiefe GefĂŒhle auslösen, denn gerade in der Geborgenheit der KlĂ€nge kann es passieren, dass sich die Vergangenheit, unerledigte Probleme und Traumata nach vorne drĂ€ngen. Es liegt in der Kompetenz der Therapeutin, mit den Insturmenten verantwortungsvoll umzugehen und andere Menschen nicht ungeschĂŒtzt der Kraft der Instrumente auszuliefern. Meist ist die verbale Integration des Erlebten unabdingbar. Die therapeutische Begleitung muss eine sehr klare und stabile sein, wenn sich die Menschen der Musik anvertrauen und ein StĂŒck ihrer ĂŒblichen Kontrolle loslassen, mit der sie sonst ihren Alltag bewĂ€ltigen. So eignen sich die Klangtherapiegruppen mit mehreren Sitzungen gut, eine sichere AtmosphĂ€re des Miteinanders zu kreiieren.

Die eigene Lebensmelodie entdecken

Klangtherapie kann die objektive RealitÀt einer Krebserkrankung nicht verÀndern, aber sie kann helfen, Bedingungen und Ressourcen zu finden, mit der Situation besser umzugehen.

Der bekannte Psychotherapeut Le Shan sprach in der Krebsbehandlung davon, dass jeder Mensch eine eigene „Lebensmelodie“ hat. Durch die Klangtherapie besteht die Möglichkeit, wieder aufmerksam fĂŒr die innere Melodie des eigenen Lebens zu werden und mit sich in Kontakt zu kommen. Dann mag ein Wandel eintreten, indem die Betroffenen sich selber mal nicht mehr in der Dimension krank – gesund erleben, sondern die Saiten an sich wiederentdecken, die schwingen, klingen, gesund und lebendig sind, so daß der Lebensmut wiederentdeckt werden kann und die Menschen wieder anfangen, an Gesundung zu glauben.

So scheint die Erfahrung wichtig, dass man auch in sehr kranken Situationen fĂŒr heilsame KlĂ€nge erreichbar sein kann, dass auch sehr geschwĂ€chte Körper diese einfach gespielten Töne, diese ursprĂŒnglichen KlĂ€nge aufnehmen können. Auch in der Sterbebegleitung wird die Klangtherapie als sehr unterstĂŒtzend und heilsam erlebt.

 Klangtherapie innerhalb der psychoonkologischen Versorgung bedeutet also mit einigen prĂ€gnanten Worten zusammengefaßt:

Ermutigung, Entspannung, Entlastung, Raum fĂŒr GefĂŒhle und Regeneration, Begleitung und Begegnung, sich wieder neu entdecken.

FĂŒr weitere Informationen wenden Sie sich gerne an: Dipl. Psych. Kerstin Michel www.zentrum-gesundheitsfoerderung.com

Impressum

Sitemap

Suche


www.klangschalenmassage.de ist ein Dienst von Kerstin und Stefan Michel. Alle Urheberrechte liegen bei den Autoren.
Kopieren der Daten ist nur mit Zustimmung der Autoren zulĂ€ssig. Copyright © 2001
Das Zentrum fĂŒr Klangschalenmassage ist eine Gesellschaft des bĂŒrgerlichen Rechts